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am 7. Mai

Gleichstellung und Chancengleichheit sind keine Selbstverständlichkeit

Sabine Traxler - Gedanken zum Weltfrauentag 2021

Vor gut einem Monat begangen wir den 110. Internationalen Weltfrauentag. Zehn Jahre ist es her, dass wir als Grüne Frauen OÖ mit unserer Dokumentation „Hommage an die Widerspenstigen“ das große Jubiläum feierten. In unserem Film blickten wir auf die Geschichte der Frauenbewegungen zurück – angefangen bei der Französischen Revolution bis hin zur ersten Welle der Frauenbewegung, die den Frauen das Wahlrecht brachte sowie den Zugang zu Gymnasien, Universitäten und politischen Vereinen. Die Kämpfe um die Errungenschaften der zweiten Welle der Frauenbewegung haben viele ältere Frauen selbst miterleben dürfen oder müssen. Die jüngere Generation profitiert von diesen politischen Kämpfen und sieht die Rechte als Selbstverständlichkeit an. Vor gut einem Jahr, knapp vor Ausbruch der Pandemie, erschien der Film „Die Dohnal“ der österreichischen Regisseurin Sabine Derflinger und Frauenpolitik erfuhr – zumindest in den Kinos - wieder einen Aufschwung. Die Kinos wurden gestürmt, das Interesse war vor allem bei den jungen Menschen groß.

Im Jahr 2021, zehn Jahre nach dem großen Jubiläum und einem Jahr Corona- Pandemie, sehen wir uns frauenpolitisch in bestimmten Bereichen um Jahrzehnte zurückgeworfen. Im gesellschaftlichen Diskurs spricht man vom Katapultieren der Frauen in das Rollenbild der 1950er Jahre. Die Zurückdrängung von Erwerbsarbeit ins Homeoffice und das Unterrichten der Kinder im Homeschooling erinnert an die Zeit vor dem 19. Jahrhundert, einer Zeit, in der Arbeit und Wohnort nicht getrennt waren. Das „Private“ und der „Schutzort Familie“ entstand erst in dieser Zeit. Es wird auch immer wieder betont, dass die Krise die Ungleichheiten nicht hervorgerufen hat, sondern vielmehr nur klar und deutlich aufzeigt, wo es bereits gravierende Schieflagen gab.

Nun stellt sich die Frage: Wie geht es frauenpolitisch weiter? Als Status quo lässt sich festhalten, dass sich gesamtgesellschaftlich die Situation von Frauen in der Krise um vieles verschärft hat: Kurzarbeit, Verlust von Arbeitsplätzen, zusätzliche Belastungen durch Homeschooling, ungleiche Verteilung der Care-Arbeit, vermehrte Gewalt gegen Frauen und Kinder sind die wichtigsten Herausforderungen, die da genannt werden müssen. Phänomene, die in der Weltwirtschaftskrise 2008 auch bereits zutage getreten sind.

Systemwandel als Überlebensfrage?

Frauenpolitisch müssen wir langfristig wohl für einen Wechsel des Systems kämpfen, denn das derzeitige wird die Krisen, die noch daherkommen, nicht stemmen können. Frauenpolitisch kann man sich die nächsten Jahre, auch wenn die Politik immer gerne die Erfolge und das Positive hervorheben will, einfach nicht schönreden. Die Folgen der Coronapandemie, der Klima- und Wirtschaftskrise werden wieder großteils die Frauen tragen müssen, wie es in Ländern, in denen die Folgen von Klimakatastrophen bereits deutlich zu spüren sind bereits der Fall ist. Systemwechsel bedeutet im Konkreten: Umverteilung der Reichtümer, gerechtere Verteilung von unbezahlter Arbeit, verkürzte Regelarbeitszeiten, Neubewertung von Arbeit, Einkommenstransparenz und Grundeinkommen, um nur Beispiele zu nennen, in welche Richtung es gehen muss. Für uns Frauen dieser „Krisengeneration“ heißt es umso mehr, dass Gerechtigkeit und Chancengleichheit keine Selbstverständlichkeit sind, und dass wir uns dafür stark machen müssen. 


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