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am 9. Dezember 2021

30 Femizide in Österreich

Sabine Traxler - Es braucht endlich Gleichstellung in unserer Gesellschaft

Gewalt, Mord, versuchter Mord, Nötigung, sexuelle Übergriffe und sexualisierte Drohungen von Männern sind Teil unserer Realität und so häufig, dass sie für uns zur traurigen Normalität geworden sind. Die „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ (von 25.11. bis 10.12.) geben jährlich mit Kampagnen, Initiativen, Berichterstattung und Aktionen diesem Thema den Raum und die öffentliche Präsenz, die es unbedingt braucht. Die Situation ist, man kann es so benennen, dramatisch. In Österreich wurden im Jahr 2021 bis dato (2.12) 30 Frauen ermordet, und es gab 53 Mordversuche. Die Zahl der ermordeten Frauen steigt laut polizeilicher Kriminalstatistik seit 2015 deutlich an. Österreich liegt mit dieser Anzahl an Femiziden übrigens im traurigen europäischen Spitzenfeld. Zufolge einer EU-Studie, die dieses Jahr erschien, erlebt jede fünfte Frau in Österreich ab ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt. Risikogebiet ist nicht der öffentliche Raum, sondern meist kommt der Täter aus dem engsten Umfeld.

Vor allem die Lockdowns im Zuge der Corona-Pandemie haben im letzten Jahr die Übergriffe auf Frauen weltweit steigen lassen. Immer wieder war von der „Schattenpandemie“ die Rede. Im Jahr 2020 fanden in den 26 Frauenhäusern, die es in Österreich gibt, insgesamt 2.994 Personen Schutz - davon waren 1.507 Frauen und 1.487 Kinder. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete man einen zahlenmäßigen Rückgang, der jedoch darin zu begründen ist, dass es für viele Frauen während der ständigen Anwesenheit der Familie, der starken Kontrolle durch den Partner und einer insgesamt höheren sozialen Kontrolle schwerer war, aus ihrem gewalttätigen Umfeld zu flüchten.

In Oberösterreich ist zufolge des Landesrechnungshofes (Bericht aus 2019) der Bedarf an Frauenhäusern nicht gedeckt. Derzeit bieten Frauenhäuser Platz für 41 Frauen und 68 Kinder. Laut Istanbul-Konvention wären jedoch 148 Plätze notwendig. Der Bedarf an zusätzlichen Plätzen ist daher dringend zu erfüllen!

Warum Gleichstellung lebensrettend sein kann 

​Bei Gewalt gegen Frauen handelt es sich um ein gesamtgesellschaftliches Thema. Prävention für Frauen, also Opferschutz allein, reicht nicht. Prävention muss bei den Tätern ansetzen, insofern sie -je nach Täter-Typ, möglich ist. Das Angebot von geographisch-physischem Schutz, wie geschützte Wohnungen, Übergangswohnungen und Frauenhäuser, muss für Frauen in einer erreichbaren Distanz und auch Verfügbarkeit gewährleistet sein.

Generell ist der beste Schutz vor Femiziden aber wohl eine entsprechende gesamtgesellschaftliche Einstellung Frauen gegenüber: das Aufweichen der alten tradierten Rollenmodelle, die genau besagen, wo Frauen ihren Platz und Männer ihren Thron haben. Antiquierte und tradierte Rollenbilder sind bei ganz jungen Menschen nach wie vor häufig vorhanden und bereits verfestigt. Die Gleichstellung muss gelebt werden. Zentral sind dabei die ökonomische Gleichstellung, sodass Frauen in keinem finanziellen Abhängigkeitsverhältnis zu Männern stehen, und auch die politische Gleichstellung in Form von Repräsentanz.


Definition 

Femizid ist die vorsätzliche Tötung einer Frau durch einen Mann aufgrund ihres Geschlechts bzw. aufgrund von "Verstößen" gegen die traditionellen sozialen und patriarchalen Rollenvorstellungen von Frauen. Femizide gehören daher zu den Hassverbrechen. Die Definition geht auf die südafrikanische Soziologin und Autorin Diana Russell zurück, die 1976 eine der ersten war, die den Begriff verwendeten. Quelle: https://www.aoef.at ​



 

 

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