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am 6. Februar 2020

Viel Arbeit - wenig Lohn in der Pension

Die Grünen Frauen OÖ - Warum Mutterschaft seit der schwarz-blauen Pensionsreform 2004 das Risiko der Altersarmut nach sich zieht.

Wie die Heizkosten bezahlen, Medikamente oder einen Ersatz für die kaputte Waschmaschine? Was tun, wenn gegen Monatsende der Kühlschrank leer ist? Ähnliche Fragen muss sich fast ein Viertel der allein lebenden über 65-jährigen Frauen in Österreich stellen. Sie fallen unter die von Altersarmut Betroffenen und gelten als materiell erheblich benachteiligt. Die Hälfte aller Pensionistinnen in Österreich musste 2018 mit einer Pension ihr Auslangen finden, die kleiner war als 891 Euro.

Schwarz-Blau I stahl Frauen ihre besten Jahre
Die erste schwarz-blaue Regierung brachte mit ihren Pensionsreformen 2003 und 2004 Österreichs Frauen um „ihre besten 15 Jahre“. Davor nämlich wurden die 15 Jahre mit dem höchsten Einkommen als Grundlage zur Pensionsberechnung herangezogen. Ab 2004 gab’s dann „lebenslang“ - der Durchrechnungszeitraum wurde auf die gesamte Lebensarbeitszeit ausgedehnt. Damit schneiderte Schwarz-Blau das österreichische Pensionssystem einem traditionellen Männerleben auf den Leib. Eine vernünftige Pension bekommt nur, wer 40 Jahre oder länger Vollzeit arbeitet. Familienbedingte Berufsunterbrechungen und Phasen der Teilzeitarbeit schmälern seitdem die ohnehin geringen Frauenpensionen. Im Vergleich zum früheren Pensionssystem machen die Verluste für Frauen im derzeitigen bis zu einem Viertel ihrer gesamten Pension aus.

Gender Pension Gap
Die viel kritisierte Kluft, die sich während des Erwerbslebens zwischen Männer- und Fraueneinkommen auftut, bezeichnet man als „Gender Pay Gap“. (2019 waren es 19,7 Prozent österreichweit, die Frauen weniger verdienten.) Mit Eintritt in die Pension aber wird aus dieser Kluft das „Gender Pension Gap“, ein gewaltiger Graben von aktuell 42,4 Prozent.

Naiv in die Teilzeit-Falle?
Gerne wird Frauen im Zusammenhang mit geringen Pensionen unterstellt, dass sie mehr oder weniger ahnungslos in die so genannte „Teilzeit-Falle“ tappen. Und tatsächlich liegt die Teilzeitquote bei Frauen zwischen 25 und 49 Jahren mit Kindern unter 15 Jahren bei 75 Prozent. Aber was drängt Frauen in diese Falle? Zum einen weisen veraltete Rollenbilder Frauen den größten Anteil an unbezahlter Arbeit zu (siehe Kasten). Auch bei modernen Eltern wird mit der Geburt eines Kindes die Aufgabenteilung oft traditioneller. Um Mütter für die Erwerbsarbeit freizuspielen, bräuchte es aber „ganze Männer, die halbe-halbe machen“. Zum anderen werden selbst partnerschaftliche Väter in die bezahlte Arbeit gedrängt, weil sie die Besserverdiener in der Familie sind. In der Folge wird Kinderbetreuung und Hausarbeit zur „Frauensache“. 

Rahmenbedingungen für halbe-halbe
In der derzeitigen Situation stellt Muttersein ein Altersarmutsrisiko dar. Und so können Frauen zurzeit nur zwischen erheblichen Pensionseinbußen oder Kinderlosigkeit „wählen“.

Was wir brauchen, ist eine Politik, die gute Rahmenbedingungen für „ganze Männer“ schafft, damit sie tatsächlich halbe-halbe machen können: moderne Rollenbilder, höhere Fraueneinkommen, ausreichend Kinderbetreuungsplätze und Arbeitgeber, die ihren männlichen Mitarbeitern Teilhabe am Familienleben ermöglichen. Auch die Diskussion über eine generelle Arbeitszeitverkürzung darf kein Tabu sein. Das wären dann auch gleichzeitig die notwendigen Rahmenbedingungen für „ganze Frauen“.

Redakteurin: Mag.a Gudrun Troppmann


Nützliche Broschüren zum Thema 

Frauen und Pension
Wie wirken sich Lebensentscheidungen auf die Pension aus? Wie kann die Pension verbessert werden? – Publikation der Stadt Linz. 

Frauen und Pensionen Wie Lebensentscheidungen die Absicherung im Alter beeinflussen – Broschüre des Bundeskanzleramtes. 


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