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am 16. Juli 2020

Systemrelevant - Ein Unwort

Sabine Traxler - Ein Kommentar

Obwohl der Begriff „Systemrelevanz“ eigentlich aus der Finanzwelt stammt und uns noch aus der Wirtschaftskrise 2008 bekannt ist, machte er in den letzten Monaten der Corona-Krise im Zusammenhang mit Berufen schnell die Runde. Plötzlich ist von Personen in „systemrelevanten Berufen “ die Rede – dazu zählen die Bereiche der Daseinsvorsorge, Transport- und Verkehrswesen, Abfallwirtschaft, Informationswesen, Energieversorgung, Sicherheit, Katastrophenschutz oder Postwesen. An und für sich eine logische Kategorisierung in akuten Situationen wie einer Pandemie, in der von einem auf den nächsten Tag das System „runtergefahren wird“. Trotzdem: Die Einteilung in „systemrelevant“ und „nicht systemrelevant“ weckt mit der Zeit unangenehme Assoziationen. Wenn es plötzlich systemrelevante Berufe gibt, gibt es auch solche, die es nicht sind. Die Teilung in „Du bist wichtig für das System und du nicht“ birgt eine Wertung der Arbeit in sich (auch wenn sich diese sich nicht durch angemessene Entlohnung ausdrückt). Auch die Frage, wer überhaupt die Entscheidung fällen kann, wer jetzt „systemrelevant“ ist oder nicht, taucht bei diesen Überlegungen auf. Schlussendlich ist doch jede Arbeit über kurz oder lang für unser „System“, „für unsere Gesellschaft“ relevant - jeder und jede von uns ist mit seinen/ihrer  Tätigkeiten für dieses System relevant. Ziel der Politik sollte es sein, keinen Beruf, keine Branche und keine Gruppe mit diesem Adjektiv zu versehen. Systemrelevant sind wir alle! 

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