Bezirkegruene.at
Navigation:
am 15. Dezember 2020

Aus Erfahrung wird man …?

Ursula Hirtl - Was wir von Corona fürs Klima lernen können

2020 ist das Jahr, in dem wir zu Krisenprofis wurden. Mund- und Nasenschutz und der Babyelefant sind Teil unserer coronalen Realität und lenken uns ab vom eigentlich wichtigsten Thema dieses Jahrhunderts. Denn Covid-19 ist nur eine milde Generalprobe für das, was bei der Klimakrise auf uns zukommt.

Durch den Lockdown wurden bestehende Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten verstärkt. Zum Beispiel waren bei uns im Sommer 2020 85 Prozent aller Arbeitssuchenden, die zuvor wegen Corona entlassen worden waren, Frauen. Andererseits hielten unter anderem die Berufe im Lebensmittelhandel und in der Pflege das System am Laufen – traditionell schlecht bezahlte, frauendominierte Arbeitsplätze. Die häusliche Gewalt stieg. Viele Frauen fanden sich plötzlich im Rollenbild der 1950er-Jahre wieder. So, als wäre Gleichstellung nicht gesetzlich verankert.

Wenn wir uns weltweit umsehen, ist die Lage der Frauen in der Krise häufig lebensbedrohlich. Im Juni 2020 beschrieb Cyril Ramaphosa, der Präsident der Republik Südafrika, die unfassbare Brutalität gegen Frauen während des Lockdowns als eine weitere Pandemie. In ärmeren Ländern sind Frauen und Mädchen in Krisenzeiten einem höheren Risiko ausgesetzt, sexualisierte Gewalt zu erleben, gegen ihren Willen verheiratet zu werden und dauerhaft die Schule verlassen zu müssen. Dabei verlieren sie ihre Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben. Außerdem sind sie stärker von Hunger bedroht, weil sie oft nur Essensreste bekommen. Wenn die Jobs knapp werden, müssen sie sich ausbeuten lassen, um zu überleben.

International betrachtet hat Corona ein zickiges Vergleichen der einzelnen Staaten bewirkt. Wir verfolgen zum Teil kopfschüttelnd in den Medien, wie in anderen Ländern mit der Krise umgegangen wird. Aber: Krisen kennen keine Grenzen.

Das führt uns zurück in die Zukunft. Auch das Klima kennt keine Grenzen.

Seit langem greift ein großer Teil der Menschheit in die natürlichen Abläufe auf unserem Planeten ein. Fossile Brennstoffe, Umweltverschmutzung, Rodung von Wäldern, Trockenlegung von Mooren, Bodenversiegelung, intensive Landwirtschaft etc. beeinflussen das Klima weltweit. Wir leben bereits mit den Vorboten dessen, worauf wir uns in Zukunft einstellen müssen. Das Ansteigen der Treibhausgase in der Atmosphäre bedingt die globale Erwärmung. Unwetterkatastrophen führen zu Überschwemmungen und Dürren, Menschen verlieren ihr Zuhause, Ernten werden vernichtet, es kommt zu Hungersnöten und Seuchen. Wenn Gletscher schmelzen, ist die Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung in weitem Umkreis gefährdet. Der steigende Meeresspiegel macht tief liegende, flache Küstenzonen und ganze Inselstaaten unbewohnbar. Ressourcenknappheit verschärft bereits bestehende Konflikte und führt zu gewalttätigen Auseinandersetzungen.

In Zahlen: Im Jahr 2016 waren fast 24 Millionen Menschen auf Grund des Klimas auf der Flucht. Weltweit leiden diejenigen am meisten unter den Auswirkungen der Klimakrise, die am wenigsten dazu beitragen. Das sind die Menschen in ärmeren Ländern und dort vor allem Frauen und Kinder.

Wir brauchen eine globale Gemeinschaft mit starken Demokratien, die dafür sorgen, dass die Menschenrechte gewahrt werden und wir vor der Klimakrise, auf die wir rasant zusteuern, noch rechtzeitig abbiegen.

Denn beim Klimawandel werden uns weder Mund- und Nasenschutz noch ein Babyelefant helfen, sondern nur ein weltweites Miteinander und Gerechtigkeit für alle Menschen.

Wir brauchen Dich! - Jetzt Mitglied werden!