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am 15. September 2015

Etwas mehr als ein Märchen zwischen Alpen und Himalaya

- Vor sechs Jahren hat Ingrid Gumpelmaier-Grandl das biofaire Modelabel Fairytale Fashion gegründet.

Märchen spielen nicht nur im Labelnamen eine wichtige Rolle, sondern ziehen sich auch als roter Faden durch das gesamte Projekt: vom Wunsch nach schicker, fairer, leistbarer Mode über die Gründung eines Unternehmens, bis hin zur Präsentation von Laien-Models am Laufsteg.

„Wenn es etwas nicht gibt, kann man darüber jammern und warten bis es jemand für einen macht, oder man überlegt sich selbst was man möchte, sucht Verbündete und fängt an aktiv zu werden“, erzählt Ingrid Gumpelmaier-Grandl wie es dazu kam, als Quereinsteigerin die Welt der Mode zu betreten. Der Weg dorthin war schwer, aber mithilfe der richtigen WegbegleiterInnen möglich. „Manchmal ist es wie im Märchen: Wenn man sich im Leben auf etwas ausrichtet, dann begegnen einem die richtigen Leute. So hat mein Mann eines Tages bei einer Reise den Besitzer einer Schneiderei in Nepal kennengelernt - der erste Schritt war somit getan“, so die Designerin.

Nepal- Im Haus der Wolle

Produziert wird Fairytale Fashion in einem kleinen, vierstöckigen Haus in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu. Vor der traumhaften Kulisse der Himalayaausläufer, dem Dschungel, schönen Tempelanlagen und inmitten von Trostlosigkeit, die Armut und wirtschaftliche Benachteiligung mit sich bringen, wird die von Indien importierte Biobaumwolle zu westlicher Mode verarbeitet. Die Stoffe werden mit traditionellem Stickhandwerk zu Kleidern, Röcken, Oberteilen oder Taschen veredelt. Die Unterschiede zwischen westlichen Ansprüchen beim Design und Ideen vor Ort sind oft sehr groß. „Ich versuche bei den Entwürfen die Vorschläge des Stickermeisters und seines Teams mit einzubinden, allerdings wurzeln diese Motive oft stark in deren Kultur. Dort sind zum Beispiel hellblaue Elefanten mit einer hellgrünen Decke am Rücken oder Tiger der Inbegriff für „toll“. Für uns sind diese Tiere weit weg und haben wenig Bedeutung.“

Produziert wird unter schlichten Bedingungen mit zum Teil alten Stickmaschinen und jenen Kompetenzen, die es vor Ort gibt. „Was man dort lernt ist, dass man nicht immer Neuanschaffungen tätigen muss, wenn das was da ist, noch gut funktioniert. Das ist eine tolle Haltung, die in unserer Wegwerfgesellschaft längst verloren gegangen ist“, ergänzt die Modeschöpferin.

Das „Mehr“ bei biofairer Mode

Biofaire Mode zu produzieren bedeutet nicht nur Kleidung zu entwerfen, diese nach Österreich zu importieren und zu vertreiben: Bei ihrem letzten Besuch in Nepal im Juli umfasste die Checkliste von Gumpelmaier-Grandl das Design der neuen Kollektion, die Verteilung der Mittel der Erdbebenhilfe sowie die Organisation rund um die Installation der neuen Photovoltaikanlage, die mit Hilfe mit der von ihr initiierten Crowdfundingaktion SOLIPOWER in Österreich finanziert wurde. Mit der neuen Anlage werden Stromausfälle, die oft bis zu 13 Stunden am Tag dauern vermieden und der Einsatz des lauten, stinkenden Diesel-Notstromaggregats obsolet. Besonders wichtig ist der Designerin bei ihren Besuchen in Nepal das Zelebrieren der Partnerschaft und das Arbeiten auf Augenhöhe – wenn sich durch lange Familienfeste oder unvorhergesehene Katastrophen wie das Erdbeben im April dieses Jahres Lieferzeiten lange nach hinten schieben, so verkraftet man das als biofairer Betrieb – das gehört dazu. Man lernt durch die Besuche und die Gespräche die Menschen, ihre Lebensumstände und ihre Bedürfnisse kennen.

Ein neuer Aspekt im Märchen

Seit der letzten Nepalreise ist auch klar, dass sich das Sortiment von Fairytale Fashion zukünftig um bedruckte Stoffe erweitern wird. Eine Möglichkeit, die auch viel Arbeit mit sich bringt wird. Ingrid Gumpelmaier-Grandl sieht dieser Entwicklung freudig entgegen: „Wenn man Arbeit macht, die aus einem raus sprudelt, dann ist das ein Privileg.“

Ingrid Gumpelmaier-Grandl in ihrem Atelier in Eferding
Auf dem Dach der Schneiderei auf der gerade eine Photovoltaikanlage gebaut wird
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